Darum ist das iPhone für mich weiterhin unverzichtbar

Als Apple am Mittwoch das iPhone 5 vorstellte, war meine erste Reaktion: Dieses Gerät brauche ich nicht. Dabei bleibt es nach wie vor. Ich bin auch nach wie vor etwas enttäuscht davon, dass iOS6 kaum Innovationen bringt und das iPhone 5 nicht alle deutschen LTE-Frequenzen unterstützt. Missen möchte ich mein iPhone dennoch nicht, wobei das Modell 4S bis auf weiteres völlig ausreicht.

Einer der Gründe dafür, warum man iOS den Rücken kaum kehren kann, sind die Zubehör-Angebote, die es für die Apple-Produkte gibt: Lautsprecher-Systeme, HiFi-Komponenten, Auto-Halterungen, Schutzhüllen, Umschnall-Akkus und, und, und.

Natürlich gibt es auch für andere Smartphone-Spitzenmodelle einiges, aber die Vielfalt des iPhone wird von keinem Konkurrenz-Produkt erreicht. Selbst ein einfaches Tischladegerät ist für mein HTC One XL nicht zu bekommen. Die Docking Station des HTC One X ist leider nicht kompatibel.

Original iPhone von 2007 (Foto: Apple)
Original iPhone von 2007 (Foto: Apple)

Dazu kommen die Apps für iOS. Fast alles gibt es mittlerweile auch für Android, vieles auch für das Windows Phone. Während man sich bei iOS aber zumindest bei renommierten Anbietern darauf verlassen kann, eine entsprechende Qualität zu erhalten, sind Apps auf anderen Plattformen oft lieblos zusammengeschustert.

Beispiel 1: Die ARD-Sportschau-App für Android: Hier kommt es zumindest auf dem HTC One XL derzeit zu Darstellungsfehlern. Dieser sorgte am Freitagabend, als ich unterwegs war, dafür, dass ich Mühe hatte, die Push-Benachrichtigungen für Bundesliga-Tore zu aktivieren.

Beispiel 2: Die Sport-1-App für Android: Hier gibt es im Gegensatz zum iPhone-Pendant erst gar keine Push-Benachrichtigungen.

Beispiel 3: Die Kicker-App für Windows Phone: Hier funktionierte monatelang die Startseite nicht und derzeit fungiert wohl eine Unterseite als Startseite. Das macht es nicht viel besser.

Beispiel 4: IM+ Pro für Android und Windows Phone: Hier kann man bei den Instant Messengern offline gehen, so oft man will – immer wieder kommt es vor, dass man dennoch nicht ausgeloggt wird. Derartige Probleme gibt es bei der IM+ Version für das iPhone nicht.

Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Das waren jetzt lediglich vier Beispiele, die mir spontan eingefallen sind.

Überhaupt: Die Zugangskontrolle zum AppStore für das iPhone und zum Marketplace für das Windows Phone sorgt für den Nutzer auch für eine gewisse Sicherheit und nicht unbedingt für Einschränkungen. Von iOS- und Windows-Phone-Viren habe ich noch nichts gehört, aus dem Android-Lager hört man immer wieder mal etwas in dieser Richtung.

Als ich vergangene Woche auf der IBC in Amsterdam war, hat mein HTC One XL bis zum späten Nachmittag fast 25 MB Daten übertragen. o2 zeigte mir die gelbe Karte und “drohte an”, die Performance zu drosseln, da mein Smartphone DayPack EU bald verbraucht sei. Ich habe auf der Messe zu 80 Prozent mit dem Blackberry gearbeitet. Es ist mir völlig unklar, welche Anwendungen auf dem HTC One XL im Hintergrund so datenhungrig waren.

Ist es wirklich ein Nachteil, dass das Multitasking beim iPhone und beim Windows Phone nur eingeschränkt funktionieren? Nicht zuletzt dankt es einem auch der Akku, wenn nicht ständig im Hintergrund irgendwelche Prozesse laufen, die man als Nutzer erst gar nicht bemerkt.

Kämen wir nun zu Formfaktor und Bedienung: Ja, ich bin eigentlich ein Fan großer Geräte. Das Samsung Galaxy Note war mir einen Tick zu groß. Das HTC One XL oder das Samsung Galaxy SIII ist genau das richtige für mich.

Das iPhone ist deutlich kleiner. Dafür kann man es viel besser mit einer Hand bedienen. Daran wird sich auch beim iPhone 5 nichts ändern, auch wenn mir persönlich diese einfache Verlängerung des Gehäuses nach oben nicht gefällt (wobei ich das Gerät noch nicht in natura gesehen habe).

E-Mails lese ich noch immer am liebsten mit dem iPhone. Die Darstellung ist sehr gut, mit einem Klick lassen sich Mails löschen und man befindet sich sofort in der nächsten Nachricht. Bei allen anderen Systemen – auch beim Blackberry  ist mindestens ein Tastendruck mehr nötig. Wer jetzt sagt, “stört mich nicht”, der denkt vielleicht anders, wenn er – wie ich – an einem normalen Werktag mehrere hundert E-Mails bekommt, die er oft einfach nur sichten muss.

Kommen wir schießlich zur virtuellen Tastatur. Diese mag ich eigentlich gar nicht und aus diesem Grund habe ich mir zum produktiv arbeiten wieder einen Blackberry zugelegt. Bei alles Swypes und Swiftkeys stelle ich aber fest: Die Tastatur des iPhone ist noch immer die virtuelle, mit der ich noch am besten zurechtkomme. Ich werde auf Android nun mal Smart Keyboard testen. Das könnte der iPhone-Tastatur noch am nächsten kommen.

Dann wäre da noch das leidige Thema Software-Updates: Microsoft stößt seine bisherigen Windows-Phone-Käufer vor den Kopf und bietet für die schon im Markt befindlichen Geräte nur ein “Trost-Update” anstelle von Windows Phone 8 an. Bei Android herrscht mit Ausnahme der Nexus-Geräte das pure Chaos (nicht einmal das erst seit März erhältliche HTC Velocity 4G hat bis heute ein Ice-Cream-Sandwich-Update erhalten, geschweige denn Jelly Bean). Apple pflegt dagegen selbst das iPhone 3G S  noch – soweit es die Hardware dieses in die Jahre gekommenen Modells zulässt.

Nicht zuletzt kann man sich bei Apple darauf verlassen, dass die Verarbeitung sehr gut ist. Wer sich über Antennagate beim iPhone 4 aufregt, der möge mal WLAN mit dem HTC One XL nutzen, während er das Gerät in der Hand hält – selbst in Sichtweite zum Router. Es ist nunmal suboptimal (wenn auch aus Designgründen unumgänglich), dass alle Hersteller die Smartphone-Antennen im Gehäuse verstecken.

Was mir beim iPhone nicht gefällt, ist der Preis. Das iPhone war bisher schon teuer, das neue Modell wird noch teurer und ist ohne Vertrag nicht unter 679 Euro zu bekommen. Das ist für ein “Telefon” sehr viel Geld, aber Samsung toppt den Preis mit dem Galaxy SIII LTE ja sogar und ruft offiziell 749 Euro auf.

Die Lösung aus meiner Sicht ist: Dann wird eben nicht mehr jedes neue Modell gekauft, sondern nur noch jedes zweite oder sogar jedes dritte. Dann wird es unter dem Strich sogar günstiger.

Zusammenfassend muss ich sagen: Ich bin nicht mehr der große iPhone-Fan von früher. Ich freue mich über die vielfältigen Möglichkeiten, die Android bietet und ich hoffe, dass sich Windows Phone als dritte große Plattform etabliert.

Apple ist nicht mehr Innovationsführer, sondern mit den Mitbewerbern bestenfalls auf einer Höhe. Der Hersteller bietet aber immer noch ein schlüssiges Gesamtkonzept und sehr gute Qualität. Und genau deshalb werde ich neben meinem HTC One XL und meinem Blackberry Bold 9790 beim iPhone bleiben.

Wenn das Nokia Lumia 920 verfügbar ist, werde ich mir dieses ebenfalls zulegen. Dann habe ich alle namhaften Systeme verfügbar. Welches Gerät dann welche Aufgabe bekommt, muss sich noch zeigen.

1 thought on “Darum ist das iPhone für mich weiterhin unverzichtbar”

Kommentar verfassen