Auf Wiederhören, 90elf: Schlusspfiff für Deutschlands erstes Fußball-Radio

Als 90elf vor fünf Jahren an den Start ging, war ich absolut begeistert. Ich freute mich über das neue Höerfunkprogramm, das, wie es auch im damaligen Claim des Senders hieß, rund um die Uhr rund um den Ball berichtet hat.

Dabei war die Verbreitung seinerzeit noch extrem eingeschränkt. 90elf war vor allem über die Webseite des Senders zu hören. Dazu kamen WLAN-Radios. Smartphone-Apps gab es noch nicht und der Neustart des terrestrischen Digitalradios war noch nicht erfolgt.

Dennoch versuchte ich mich auch im Auto mit dem 90elf-Empfang. Abseits der mit UMTS versorgten Gebiete war das natürlich nicht immer stabil möglich. Oft trübten Aussetzer den Empfang.

Trotzdem freute ich mich, einen Sender zur Verfügung zu haben, der zuverlässig live und in voller Länge von allen Spielen der 1. und 2. Bundesliga berichtet. Davon hatte sich die ARD schon Jahre vorher verabschiedet.

Ich stand in dieser Zeit oft in Kontakt mit Christoph Kruse, dem Projektleiter für 90elf. So kam dann auch die Idee zu Smartphone-Apps zustande, die – wenn ich mich recht entsinne – 2009 umgesetzt wurde.

So sah vor vier Jahren die erste 90elf-App für das iPhone aus
So sah vor vier Jahren die erste 90elf-App für das iPhone aus

Richtig begeistert war ich, als 90elf zum Start des bundesweiten Digitalradios DAB+ am 1. August 2010 mit an Bord war. Ich kaufte mir umgehend ein DAB+ Autoradio und konnte 90elf endlich auch mobil in einwandfreier Qualität empfangen.

Nie im Leben hätte ich seinerzeit an ein drohendes Ende für dieses tolle Produkt geglaubt. Auch als die Netcast-Senderechte für die Bundesliga-Hörrfunkberichterstattung schließlich ausgeschrieben wurden, war ich mir sicher: 90elf ist gesetzt, zumal es ja sogar eine Kooperation mit Bundesliga.de gab.

Doch es kam alles ganz anders: Die Deutsche Fußball Liga vergab die Rechte an Sport 1. 90elf hatte wohl deutlich weniger für die Senderechte geboten. Dennoch kann ich die Entscheidung der DFL nicht verstehen. Im Interesse des Fußballs und der Fans war das ganz sicher nicht.

90elf war zuletzt im Internet über die Webseite, mit WLAN-Radios, mit Smartphone-Apps und eben terrestrisch über DAB+ zu empfangen. Letzteres kann auch nicht durch die Telekom gedrosselt werden, da es gar nicht über Internet, sondern über herkömmliche, digitale Radiowellen läuft.

Von Sport 1 ist bislang nur bekannt, dass der neue Hörfunkableger via Internet senden wird. Smartphone-Apps dürften ebenfalls im Angebot sein, zumal sich Sport 1 hier derzeit schon intensiv engagiert. Aber DAB+? Offenbar Fehlanzeige.

Mobiler Internetradio-Empfang ist möglich, aber eine hohe Betriebssicherheit ist etwas anderes, während das bundesweite DAB+ Ensemble in weiten Teilen Deutschlands in perfekter Qualität zu empfangen ist- und das mit Radiogeräten, die zu Preisen von mittlerweile zum Teil schon weit unter 50 Euro erhältlich sind.

Nicht wenige Fußball-Fans haben sich eigens für 90elf ein Digitalradio zugelegt. Damit kann man zwar auch andere Programme hören. Das Programm, das man damit hören wollte, gibt es aber nun seit gestern Nachmittag nicht mehr und der Nachfolger wird damit wohl nicht zu empfangen sein.

Bis zuletzt hatte ich gehofft, dass 90elf es irgendwie schaffen wird, zu überleben – ggf. im Rahmen einer Kooperation mit Sport 1. Bis zuletzt hatte ich gehofft, dass die immer locker, flockigen, aber doch kompetenten Reportagen von 90elf erhalten bleiben.

Alles Hoffen und Bangen und aller Fan-Protest hat nichts genutzt. Seit Sonntagnachmittag, 16 Uhr, ist 90elf Geschichte. Anstelle der Fußball-Berichterstattung ist nur noch Nonstop-Musik zu hören. Das ist schon sehr traurig.

An dieser Stelle ganz herzlichen Dank an das Team von 90elf. Ich war vom ersten Tag an dabei und habe auch die letzte Livesendung gestern Nachmittag noch gehört. Es ist traurig, dass es Euch nicht mehr gibt. Ihr habt einen klasse Job gemacht.

Gleichzeitig freue ich mich aber auch auf Sport 1 Radio, das sich thematisch breiter aufstellen will als 90elf und neben Fußball auch andere Sportarten berücksichtigen wird. Abzuwarten bleibt, wie das Programm dann im Endeffekt aussehen wird und wie man es dann auch empfangen kann.

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