Kurzwelle in Deutschland: Private Programme sind noch auf Sendung

Die Zeiten des Rundfunks auf Lang-, Mittel- und Kurzwelle gehen langsam aber sicher zu Ende. Wer heute über die Bänder dreht, wird vor allem tagsüber deutlich weniger Programme entdecken als noch vor zehn oder gar 20 Jahren. Ich hätte mir in meiner Jugend niemals träumen lassen, tagsüber einmal ein nahezu leeres 49-Meter-Band im Kurzwellenbereich zu erleben.

Kommunikationsempfänger JRC NRD-535DG
Kommunikationsempfänger JRC NRD-535DG

Ob Satellitenfunk und Webradio als Ersatz immer die bessere Wahl ist, bleibt dahingestellt. Ich persönlich genieße die noch größere Programmvielfalt bei deutlich besserer Übertragungsqualität. Die Kehrseite der Medaille ist jedoch, dass das Internet und prinzipiell auch der Satellitenempfang jederzeit reglementiert und eingeschränkt werden können, während für den Lang-, Mittel- und Kurzwellenempfang kleine unscheinbare Radios ausreichen.

Auch mobil sind die neuen Techniken nicht immer ein Vorteil. Hier ist der Empfang oft nicht gleichmäßig möglich, sondern mit Aussetzern durchsetzt. Rundfunksatelliten, die sich beispielsweise auch für den Empfang im fahrenden Auto eignen, gibt es in Europa gar nicht.

Immerhin gibt es einige private Initiativen, die den Kurzwellenrundfunk auch in Deutschland nach wie vor fördern. Allen voran erwähnt sei hier der Shortwaveservice aus Kall-Krekel in der Eifel, der gleich mehrere Sender auf verschiedenen Frequenzen (u.a. 6005 kHz) betreibt und hier neben deutschsprachigen Auslandsdiensten auch das Programm des ostbelgischen Regionalsenders Radio 700 überträgt.

Channel 292 ist auf 6070 kHz aktiv und überträgt vor allem Sendungen verschiedener freier Radios. Europa 24 ist auf 6150 kHz zuhause und bietet neben Popmusik auch kurze Nachrichten- und Infoblöcke. Aber auch der religiöse Sender Radio HCJB, der früher vom südamerikanischen Ecuador aus auch für Europa gesendet hat, betreibt nun einen Kleinsender in Deutschland selbst.

Es lohnt sich also nach wie vor, hin und wieder auch die Kurzwellentaste eines Radiogeräts einzuschalten. Auch im Jahr 2016 sind hier noch wirklich interessante Programme zu empfangen – ganz ohne Sat-Schüssel und ohne Verbrauch des Datenvolumens bei der mobilen Nutzung.

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